Erwachsene, ihr seid auch nicht besser!

Vor einiger Zeit beklagten Eltern im Falter, wie das Smartphone das Leben ihrer Kinder verändert hat. Nun erklären die Kinder, warum sie nicht vor dem Smartphone gerettet werden müssen

09.03.2018

Illustration: P.M.Hoffmann (bearbeitet)
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FSK 13



Den Satz "Nehmt den Kindern die Smartphones weg!" finde ich übertrieben. Wenn ich als Einzige ein Tastenhandy hätte, dann würde ich ja nichts mehr mitkriegen. Ich muss es haben, damit ich dabei und informiert bin. Mich nervt es, dass meine Eltern mich dauernd darauf ansprechen, "das Ding" endlich einmal wegzulegen. Sie sind selbst nicht besser. Wenn ich sie wegen ihres Handykonsums kritisiere, argumentieren sie, sie würden -im Gegensatz zu mir -das Smartphone beruflich nutzen. Ich erwische sie aber oft auf Instagram oder Facebook. Das nennen die arbeiten! Ich bin wenigstens ehrlich und gebe zu, dass ich es brauche.

Ich gebe meiner Mama in einem recht: Das Smartphone ist definitiv eine Sucht, und es nervt mich deswegen auch immer öfter. Jedes Mal, wenn mir langweilig ist, nehme ich mein iPhone in die Hand, denn dort gibt es Unterhaltung. Da kann man Videos auf Youtube ansehen, auf Whatsapp Freunden schreiben oder auf Instagram Fotos schauen. Manchmal macht mich das ständige Onlinesein sogar depressiv, deswegen lege ich es in letzter Zeit auch ab und zu länger weg. Mich stresst das Gefühl, dauernd neue Informationen checken zu müssen. Ein Smartphone macht tatsächlich abhängig, und man verliert wirklich seine Ideen mit der Zeit.

Ich kann mir gut helfen, indem ich es komplett ausschalte oder auf die Kommode im Flur lege. Es muss aus meinem Sichtfeld sein. Dann fallen mir auch wieder andere Beschäftigungen ein. Da muss ich mich aber schon sehr überwinden, wenn ich es ein bis zwei Stunden überhaupt nicht anrühren will. Man sollte es dann schon echt wollen. Wenn ich für eine Schularbeit lerne, habe ich lieber, dass meine Eltern zu Hause sind, weil ich dann disziplinierter bin. Wenn wir auf Urlaub fahren und die ganze Zeit etwas erleben, dann brauche ich das Handy übrigens gar nicht. Heute war ich zum Beispiel nur eine Stunde online, ich war dauernd irgendwie mit etwas anderem beschäftigt.

Was ich urdumm finde, ist, wenn meine Eltern den WLAN-Stecker rausziehen und damit ins Büro abhauen. Dadurch bestimmen sie über mich, das regt mich auf. Ich möchte das selbst in der Hand haben. Ohne Internet kann ich keine Nachrichten von Freunden checken, wenn es echt wichtig ist. Außerdem verbrauche ich damit auch alle meine mobilen Daten.

Mich ärgert, wenn in den Schulpausen alle an ihren Smartphones hängen. Vor allem die Jungs, die Spiele spielen, und da wiederum besonders die der unteren Klassen. Die nennen wir die "Hobbylosen". Die sind so verpeilt, die vergessen sogar, ihre Schultaschen zuzumachen, und merken nicht einmal, wenn ihnen hinten alles rausfällt, weil sie permanent auf ihren Screen starren. Es gibt eine richtige Handymafia in der Schule. Meine Freunde und ich reden in den Pausen jedenfalls miteinander.

Ich beobachte auf meinem Schulweg Erwachsene im Bus und in der U-Bahn, die permanent nur in ihre Smartphones tippen. Die sind doch alle genauso süchtig! Kleine Kinder bekommen schon frühmorgens von ihnen die Geräte in die Hand gedrückt, damit sie ruhig bleiben. Während eines Schulkonzerts habe ich sowas sogar einmal beobachtet. Da saß ein kleiner Bub mit seiner Mutter, der war gerade einmal vier Jahre alt und hat die ganze Vorführung lang am Smartphone gespielt. Wie traurig ist das denn?

Meine Freunde und ich fordern uns öfters gegenseitig auf: "Jetzt sind wir zusammen! Alle Handys weg!" Ich bin für eine Altersbeschränkung bei Smartphones, aber nur, wenn es für absolut jeden gilt. FSK 13! Ab dem offiziellen Teenageralter.


Mathilda Salvi ist fast 13 Jahre alt, geht auf eine AHS in Wien und benutzt seit Ende der dritten Klasse Volksschule ein Smartphone. Ihre Mutter hat vergangene Woche an dieser Stelle darüber geschrieben, wie "süchtig" die mobilen Geräte machen können


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