Babyöl für gestresste „Mompreneurs“

Die Wiener Babykosmetik Alma setzt auf biologische Naturöle – und ein ausgeklügeltes Marketing

15.02.2017

Foto: Heribert Corn


Babyhaut braucht nicht viel mehr als Wasser, hören junge Eltern von ihren Großmüttern oft. Andere aber greifen anstatt zu Wasser lieber zu einem biologischen Babyöl aus Wien mit dem altmodischen und gleichzeitig sehr beliebten Namen „Alma“, um 69 Euro der Viertelliter. Die Geschichte dahinter erzählt viel über die Ängste und Sehnsüchte junger Eltern, über geschicktes Marketing und über MOBs, Mommy-owned Businesses.

Wenn heute Mitteleuropäer – vor allem die wohlhabenderen in den Städten – Kinder bekommen, dann sind sie meistens schon älter, im Berufsleben angekommen und der Nachwuchs ist ein Wunschkind. Alles soll perfekt und besonders sein, vom individuell zusammengestellten Kinderwagen bis zum Strampler aus Naturbaumwolle. Und natürlich auch der erste Balsam, das erste Duschbad und das erste Shampoo im Leben des Neugeborenen. Isabel Zinnagl ging es nicht anders, als sie vor drei Jahren – mit 33 – ihr erstes Kind erwartete.

Der Bauch wuchs und die Filmproduzentin wollte sich in ihrer Haut wohlfühlen. Sie suchte nach einem Pflegeöl. Hochwertige Bioöle als Inhaltsstoff, eine angenehme Textur sowie ein dezenter Duft, und das alles in einer stylishen Glasflasche, sollten es sein. Zinnagl fand nichts Passendes. Die Biokosmetik, die sie ausprobierte, „roch muffig oder die Konsistenz war zu schmierig“, sagt die gebürtige Kärntnerin. Zinnagls Mann Lukas studierte Medizin und ist Unternehmer einer Softwarefirma für Medikamenteninhaltsstoffe für das Krankenhaus. Er riet seiner Frau, sich die gewünschte Pflege einfach mischen zu lassen. Schon war die Geschäftsidee geboren. Sie taufte ihre eigene Kosmetiklinie „Alma“, der Name ihres ersten Kindes.

Die Filmproduzentin ist ein glänzendes Beispiel für eine boomende Branche: das Mommy-owned Business. Unternehmerinnen, die spät ihr erstes Kind kriegen und daraus nebenbei eine Geschäftsidee entwickeln, die sich meist aus den größeren und kleineren Herausforderungen des Mutterdaseins speist. Wichtiges Verkaufstool ist dabei ein erfolgreiches Blog, in Zinnagls Fall der 2014 gegründete „Salon Mama“, der monatlich 40.000 Klicks bekommt. Über den vertreibt sie die Alma-Produkte – derzeit ein Balsam, ein Pflegeöl und einen Duftspray, demnächst ein Badeöl. Dazu gibt es Tipps für schönes Wohnen, Babykleidung, Reisen mit Neugeborenen. Zinnagls Zielgruppe sind „Mompreneurs“ wie sie, also späte Jungmütter, die sich ihren Lebensstil durch Mutterschaft nicht zusammenhauen wollen und auch bereit sind, dafür Geld zu zahlen.

Hinter Alma steht eigentlich die Wiener Naturhaarpflege „Less ist more“, die von der studierten Biochemikerin und Aromatherapeutin Doris Brandhuber vor 15 Jahren gegründet wurde. Die Zinnagls stießen bei ihrer privaten Suche nach ihrem perfekten Öl zufällig auf sie, man war sich sympathisch, Konzept und Idee stimmten überein.

Alma baut auf Marillenkernöl auf, einem sehr zarten Duft, der toll mit dem Körperduft verschmilzt. Denn Babykosmetik soll eigentlich nicht stark riechen, weil für Babys der natürliche Körpergeruch der Eltern am wichtigsten – und beruhigendsten – ist. Erfahrene Hebammen empfehlen Pflegeöle nicht nur wegen der Inhaltsstoffe, sondern vor allem wegen der intensiven Berührung, die das Auftragen und Einmassieren mit sich bringt. Das ist für das „Bonding“ weit wichtiger als das Öl an sich.

Der „Pillow-Spray“ aus der Alma-Serie ist sogar als reines Eltern-Entspannungsprodukt gedacht. „Neben dem guten Geruch hat er vor allem eine psychologische Wirkung. Es ist so eine nervenzehrende und anstrengende Zeit für junge Eltern, der Wohlfühlduft soll ihnen helfen, sich zu entspannen und tief durchzuatmen“, erklärt Brandhuber.

 

Der Bericht stammt von Nathalie Großschädl und ist in der Falter-Ausgabe 7/17 erschienen.


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